Der Raichberg ist, ob man will oder nicht, Lebensraum für eine Vielzahl an Wildtieren. Das Reh, klar, kennt man und fast jeder hat schon mal eins gesehen. Süß sehen sie aus. Nur, wer hat sie zum Essen eingeladen? An meinem Gemüse?

Jetzt im Frühjahr sind sie mit ihrem Nachwuchs beschäftigt und lassen uns weitgehend in Ruhe. Wer allerdings im unteren Teil der Gartenanlage Freude am eigenen Bio-Anbau haben will, der muss sich was einfallen lassen. Bewährt haben sich Staketenzäune rund um die Beete. Aber auch junge Bäume oder Beerenbüsche sollte man schützen.


Aktiv werden, mit dem Blühen der Forsythien, die Eidechsen. Zwei Arten patrouillieren mittlerweile über den Raichberg: die Zauneidechse und die Mauereidechse. Wobei die Mauereidechse erst in den letzten Jahren dazukam und seitdem den Zauneidechsen das Revier streitig macht. Zauneidechsen gibt es seit ungefähr 20 Jahren am Raichberg.
Auch wenn die Artenvielfalt am Raichberg zunimmt, die Ringelnatter wird immer seltener gesehen, bzw. gar nicht mehr. Größere Teiche gibt es kaum noch in der Anlage und somit auch nicht die Lieblingsspeise der Ringelnatter, den Teichfrosch. Vor Jahren raubten Horden von alleinstehenden Teichfroschmännchen mit ihrem Gequake so manchem Kleingärtner die Mittags- und Sonntagsruhe.


Vor ein paar Jahren hatten wir hinter der Gartenhütte, unter dem Dach, ein Nest. Winzig klein, genau wie seine Bewohner: Zaunkönige. Anstrengende Wochen waren das, sowohl für die Zaunkönigfamilie als auch für uns. Aber, es ging nicht anders. Wir mussten am Nest vorbei, um zur Toilette zu gelangen und die Eltern wollten zu ihrem Nest, aber nur wenn wir außer Sichtweite waren. Die Terrasse nebenan konnten wir gar nicht mehr benutzen. Gnadenlos schimpften uns die Eltern aus und wir mussten uns einen anderen Platz suchen. Irgendwann haben sich die Vögel an uns gewöhnt und wir konnten vorsichtig an ihnen vorbeischleichen und sogar Fotos machen. Mama Zaunkönig brütete fleißig weiter und zwei Wochen nachdem die Jungen schlüpften, verließen sie das Nest und wir sahen unsere lieb gewonnenen Freunde nur ab und an vorbeifliegen.

Füchse hatten wir einmal eine ganze Familie in der Anlage. Dies vor allem weil die Füchse verbotener Weise gefüttert wurden. Irgendwann verloren sie jegliche Scheu und liefen selbst tagsüber zwei Meter an einem vorbei, ohne zu grüßen.
Der Dachs hingegen lässt sich nur in der Nacht blicken.
Der Luftraum wird seit Jahren von zwei Krähen beherrscht, die Bussard und Milan arg zusetzen. Aber vielleicht spielen sie auch nur? In Acht nehmen müssen sich tagsüber die Mäuse vor den Falken. Mit der Dämmerung kommen die Fledermäuse, auf der Jagd nach Insekten. Es geht wild zu, hoch über dem Raichberg, auch nachts, wenn mitunter die Eule zu hören ist.



Die Taubenschwänzchen sind besonders beliebt. Wie Kolibris fliegen sie Blüten an und verbreiten einfach gute Laune.


In manchen Jahren fast eine Plage, die Mai- und Junikäfer.
Sogar eine Schildkröte lag schon schwer verletzt bei uns im Garten. Ein Raubtier hatte sie aus ihrem Gehege geholt und übel zugerichtet. In diesem Zustand ist sie dann umhergeirrt und bei uns auf der Terrasse gelandet. Wir brachten sie zu einer Tierärztin, die ihr Penicillin-Injektionen gab. Sogar die Besitzerin konnte ausfindig gemacht werden. Diese nahm den Ausreißer nach ärztlicher Behandlung dann wieder mit nach Hause. Daher bitte beachten: Bei der Haltung von Kleintieren sollte darauf geachtet werden, dass das Gehege nicht nur Ausbruchschutz bietet, sondern auch Einbruchschutz gegen Fuchs oder Marder. Das Gehege muss also rundum geschlossen sein und tief in den Boden reichen. Ach ja, Tierhaltung ist in Kleingärten nicht erlaubt.

Überhaupt muss den Tieren viel geholfen werden. Vor zwei Jahren beispielsweise retteten wir ein Rehkitz, das im Zaun eingeklemmt war und ein paar Tage später fanden wir eins am Straßenrand, oben auf der Waldebene. Die informierte Polizei berichtete uns dann, dass die Mutter am Abend zuvor überfahren wurde. Also riefen wir den Förster, der sich dann um das Kitz kümmerte. Oder unseren Hausfrosch, der an unserem Miniteich jahrelang ein Singledasein führte. Der Kerl war so zutraulich, das er einem sogar auf die Hand sprang. Dies war auch seine Schwachstelle. Feinde kannte er keine, auch nicht die Ringelnatter, vor der wir ihn mehrfach retten mussten.
Einmal wurde unser Zwetschgenbaum von einem Specht heimgesucht, der tiefe Kerben in den Ast schlug. Wir dachten, um Insekten aus dem Holz zu holen, bis wir ihn dabei beobachteten, wie er Nüsse in den Kerben so verklemmte, dass er sie mit dem Schnabel knacken konnte.
Was jeder tun kann und viele auch schon tun, Insektenhotels aufstellen, die zumeist sehr gut angenommen werden. Hier sollte man sich auf bestimmte Arten beschränken, um nicht konkurrierende Bedingungen zu schaffen. Gerade die Gehörnde Mauerbiene ist lange vor der Honigbiene unterwegs und versorgt die ersten Blüten. Wichtig ist ein sonniger Standort und das man die Locher abrundet, damit sich die Insekten nicht verletzen.
Fast ausgestorben hingegen sind die Gartenzwerge. In einer mit Life-Work-Balance, Matcha und Dschungelcamp belasteten Zeit verloren sie mit ihren Eigenschaften: Fleiß, Zuversicht, Treue und moralischer Integrität jegliche Lebensgrundlage. Außerdem leiden sie unter Mobbing, gesellschaftlicher Ausgrenzung und unzureichendem Zugang zu sozialen Medien. Und doch gibt es sie noch, Rückzugsorte, versteckt, irgendwo am Raichberg.
Ihr seht, es ist viel los am Raichberg und nicht immer einfach mit unseren Mitbewohnern, aber es wird nie langweilig. Mittlerweile entdecken wir jedes Jahr ein neues Insekt, welches wir zuvor nur aus Dokumentationen über den tropischen Regenwald kannten. Und natürlich gibt es noch viel mehr Bewohner am Raichberg, den Allerwichtigsten unterschätzen viele. Es ist der Regenwurm.




